Die neue Rettungsstation des Roten Kreuzes in Wien befindet sich auf einem Grundstück, auf dem zwei sehr unterschiedliche städtische Kontexte aufeinandertreffen. Im Süden prägt die Wiener Blockbebauung mit ihren kontinuierlichen Fassaden die Straßenflucht, während im Norden ein Mosaik von Kleingärten einen informelleren Maßstab und eine lockere Struktur vorgibt. Dieser Kontrast bildet die Grundidee des Projekts: ein Gebäude zu schaffen, das zwischen diesen Kontexten vermittelt und eine öffentliche Präsenz hat, ohne seine Umgebung zu dominieren.
Der vorgeschlagene Baukörper folgt der länglichen Form des Grundstücks und richtet sich entlang der Straße aus, um Klarheit und Orientierung zu schaffen. Die Silhouette, geprägt von einem geneigten Dach und einem durchgehenden Oberlicht, signalisiert die öffentliche Funktion des Gebäudes und macht es aus der Ferne erkennbar. Das Konzept zielt darauf ab, die funktionalen Anforderungen einer Rettungsstation mit einem architektonischen Ausdruck zu verbinden, der ihre Verankerung im Stadtteil stärkt.
Die innere Organisation wird durch die Notwendigkeit bestimmt, schnelle operative Abläufe klar von ruhigeren Zonen für das Personal zu trennen, während gleichzeitig eine effiziente Bewegungszone erhalten bleibt. Dies wird durch eine vertikale Programmverteilung erreicht.
Das Erdgeschoss enthält alle räumlichen Funktionen, die mit dem Rettungsdienst verbunden sind. Eine einseitig angeordnete Garage für zwölf Einsatzfahrzeuge reduziert den Bedarf an aufwendigen Manövern und ermöglicht einen direkten Zugang zum äußeren Hof. Angrenzend befinden sich Waschplätze, Lagerräume und andere unterstützende Funktionen, die einen reibungslosen täglichen Betrieb gewährleisten.
Das Obergeschoss ist dem Personal gewidmet und umfasst Büros, Besprechungsräume sowie einen großen Gemeinschaftsbereich. Dieser Raum, geprägt durch die freiliegende Holzkonstruktion des Daches und belichtet durch Oberlichter, fungiert als das soziale Herz des Gebäudes. Er öffnet sich zu einer überdachten Loggia, die ganzjährig nutzbar ist und während intensiver Schichten einen angenehmen Außenbereich zur Erholung bietet.
Der architektonische Ausdruck des Gebäudes ist eng mit seiner Materialität verknüpft. Das Erdgeschoss besteht aus Sichtbeton, der die notwendige Robustheit und Widerstandsfähigkeit für Notfalleinsätze bietet. Seine Massivität und Stabilität vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und verankern das Gebäude fest im städtischen Kontext.
Das Obergeschoss ist mit vertikalen Holzlamellen verkleidet, die der Fassade Wärme und Haptik verleihen. Diese leichtere Bauweise spiegelt den offeneren und gemeinschaftlich geprägten Charakter der Innenräume wider. Vorgefertigte Holz- und Betonelemente ermöglichen eine präzise Ausführung und eine schnelle Montage vor Ort, was die Bauzeit verkürzt und die Umweltbelastung reduziert.
Der konstruktive Rhythmus ist im gesamten Gebäude sichtbar, insbesondere in den hölzernen Dachrahmen des Obergeschosses. Diese Rahmen, in Kombination mit dem durchgehenden Oberlicht entlang der zentralen Achse, schaffen eine räumliche Abfolge, in der Tragstruktur und Licht gemeinsam den Charakter des Innenraums definieren.
Nachhaltigkeit wird nicht als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfs betrachtet. Von Anfang an war es das Ziel des Projekts, die Umweltbelastung während der Bauphase und des Betriebs zu minimieren. Durch die Verwendung von vorgefertigten Elementen konnten Abfallmengen reduziert und die Bauzeit verkürzt werden. Holz wurde als nachwachsender Rohstoff sowohl für den Tragrahmen als auch für die Innenausstattung bevorzugt.
Die Gebäudehülle wurde so konzipiert, dass durch eine robuste Dämmung, Dreifachverglasung und eine vertikale Holzverkleidung als Sonnenschutz eine hohe Energieeffizienz erreicht wird. Begrünte Dächer auf drei der Dachflächen fördern die Biodiversität, tragen zur Wasserspeicherung bei und schützen das Gebäude im Sommer vor Überhitzung.
Die Energieerzeugung wird durch eine in das Dach integrierte Photovoltaikanlage unterstützt, die mit dem Fernwärmenetz von Wien zusammenarbeitet. Zusammen schaffen diese Maßnahmen ein Gebäude, das den heutigen Anforderungen an eine energiebewusste öffentliche Infrastruktur gerecht wird und gleichzeitig ein hohes Maß an Komfort für seine Nutzer bietet.
Auftraggeber: Die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. (BIG)
Standort: Wien,Österreich
Jahr: 2025
Leistungen: Wettbewerb
Größe: 2.270 m2
Team: Ventsislav Kartselin, Georgi Marhov